Im Zwiespalt zwischen Information und Meinungsmache

Veröffentlicht am 24.05.2010 in Pressemitteilungen

Am Montag, 03.05.2010 „berichtete“ die Schwäbischen Zeitung unter der Rubrik „Allgäu und Oberschwaben“ über eine gemeinsame Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in deren Mittelpunkt die weitere Schulentwicklung im württembergischen Allgäu stand. Tino Bargel (Universität Konstanz) stellt das nach ihm benannte „Bargel-Gutachten“ zur Schulentwicklung in Baden-Württemberg und im Landkreis Ravensburg vor. Wie jedoch die Berichterstattung über diesen Themenabend aussah, wirft für den geneigten Leser Fragen auf.

Dass dieser Themenabend als alleinige Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen dargestellt wird, verwundert. Denn eingeladen hatten Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und die GEW, die sich zu einer partei- und verbandsübergreifenden Zusammenarbeit zusammen gefunden
hatten, um der inhaltlichen Bedeutung des Themas gerecht zu werden.

Darüber hinaus wäre interessant zu wissen, warum statt des Referenten, der überzeugend die Ergebnisse des Gutachtens darstellte, dieser Artikel mit einem Foto von zwei Zuhörern aus dem Publikum bebildert wurde. Wäre es nicht angebracht gewesen, den Referenten ins Bild zu setzen? Es fällt natürlich auf, dass die Bildunterschrift besagt, dass die beiden abgebildeten Zuhörer, einer davon Bürgermeister Krattenmacher aus Kißlegg, ihre Zweifel an dem Gutachten hätten.

Es passt dann zur Bildunterschrift, dass Dieter Krattenmacher unter „auf einen Blick“ breiten Raum zur Verfügung gestellt bekommt, in dem seine Auffassungen dargestellt werden. Wohl gibt er dem Gutachten „in der Tendenz recht“, jedoch werden dann seine nicht belegten Interpretationen dargestellt. Diese Ausführungen gipfeln in der Aussage, dass die von Bargel für Kißlegg zugrunde gelegten Daten letztendlich nicht zutreffend seien. Ein Aussage, die sich nach einem Blick in die Daten des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg als nicht haltbar erweist.

Insgesamt fällt auf, dass in dem Kompendium von Artikel, „auf einen Blick“ und Kommentar der Versuch gemacht wird, die Daten anzuzweifeln. Jedoch werden diese Zweifel an keiner Stelle begründet. Andererseits stimmen die Berechnungen von Bargel und seinen Mitarbeitern mit denen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg überein. Dabei gilt es zu beachten, dass das Landesamt seine, was die Entwicklung der Kinder-und Schülerzahlen betreffende zu positive Analyse von 2007 im Jahr 2009 nach unten korrigiert hat. Also hat Bargel, der die Zahlen von 2007 zugrunde gelegt hat, einen eher zu optimistischen Ausblick gewagt.

Somit ist der Verfasserin des Kommentars zuzustimmen: Die Zahlen und die zu erwartende Entwicklung sind so dramatisch, dass ein immenses Schulsterben auf dem Land ansteht, trotz und vor allem auch wegen der verfehlten Werkrealschulkonzeption der Landesregierung. Deshalb ist es dringend geboten, dass „die Schulen, die Kommunen, aber auch die Eltern weiter ...überlegen, wie die Schullandschaft in einigen Jahren hier vor Ort aussehen könnte“.

Bündnis 90/Die Grünen, SPD und GEW stellen sich dieser Verantwortung für unsern Raum und wollen dieses angemahnte Überlegen, sie wollen die demokratische Mitwirkung der Betroffenen und Beteiligten. Wünschenswert wäre, wenn auch die Schwäbische Zeitung sich diesem perspektivischen Blick nach vorne anschließen und Verantwortung für die hiesige Region mit übernehmen würde. Wie? Indem sie über die entscheidenden Themen und Aussagen informiert: sachlich, kompetent und unabhängig.

 

Homepage SPD Kreisverband Ravensburg

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