Peter Clément mag rauen Wind

Veröffentlicht am 17.03.2011 in Presseecho

Der SPD-Politiker ist Familienmensch, liest Krimis und liebt den Blick von oben auf die Welt

ISNY - Einen Jugendtraum, der sich noch nicht erfüllt hat? Da gebe es mehrere, überlegt Peter Clément lächelnd. „Fallschirmspringen zum Beispiel, oder fliegen lernen“, antwortet er dann und fährt fort: „Vielleicht, wenn ich viel Zeit habe, mache ich den Segelflugschein.“ Also dann im Ruhestand, denn viel Zeit hat der 1951 in Lüdenscheid geborene Familienvater und Arzt im Alltag nicht. Hinzu kommen noch sein politisches Engagement bei den Sozialdemokraten seit 1972 und aktuell natürlich die Kandidatur für den Landtag. Obwohl er Bereitschaft hat und das Telefon jeder Zeit klingeln kann, strahlt er Ruhe aus. „Ich muss dann halt weg“, meint er gelassen, nippt an seinem Kaffee und blickt von seinem Balkon aus über das reizvolle Isnyer Hinterland bei Neutrauchburg.

Diese Landschaft hat es ihm angetan. Schon damals, als er 1985 nach dem Studium in Frankfurt am Main seine erste Stelle an der Argentalklinik angetreten hatte, gefiel ihm die Region außerordentlich gut. „Dann habe ich meine Frau kennengelernt und dann ging alles seinen Lauf “, fasst er die Jahrzehnte zusammen.

Dass seine Frau und er in dieser Zeit fünf Kinder großgezogen haben, erwähnt er eher nebenher. Ja, er wollte immer schon viele Kinder haben. Den Kontakt zum Rest seiner Familie pflegt er. Alle zwei Jahre gebe es ein Familientreffen auf einer Nordseeinsel, wo er auch einen Urlaub verbracht hat.

Im Jahr davor suchte Peter Clément Erholung in der entgegengesetzten Himmelsrichtung: eine Woche segelnd mit Freunden im Mittelmeer. „Es ist schön, wenn man den rauen Wind im Gesicht spürt“, beschreibt er den Reiz am Segeln. Es ist die Schönheit der Natur und die Ruhe, die der ehemalige Gewerkschafter in seiner Freizeit immer wieder sucht. Auch in die Berge zieht es ihn, ob mit dem Mountainbike oder zu Fuß. Was ihn daran reize?

Kindertraum: Bundeskanzler

Auf dem Gipfel zu stehen, denn „wenn die Welt so unter einem liegt, das ist ein Blick, den man sonst nicht hat“. Hoch hinaus wollte Clément schon als kleiner Junge, erinnert er sich. „Bundeskanzler“ wollte er immer werden, sagt er mit amüsiertem Unterton. Ein Ziel, dass er wohl nicht mehr so ernsthaft verfolgt.

Dafür hat sich Clément, der sich selbst als „einen eher bisschen vorsichtigen Typen“ bezeichnet, im vergangenen Sommer ein Motorrad gekauft. Er freue sich schon darauf, mit der Maschine wieder ab und zu durch die Gegend zu fahren. Die Frage, was seine Frau zu dieser Anschaffung gesagt habe, nimmt er locker. Es habe keine Diskussion gegeben, meint er und fügt hinzu: „Die ist früher auch Roller gefahren.“ Da auch dies mehr nach ehrlicher Leidenschaft als nach Midlife-Crisis klingt: Themawechsel.

„Was mich sehr fasziniert, ist, wenn komplexe naturwissenschaftliche Sachverhalte, wie beispielsweise Gefahren für unseren Planeten, gut und verständlich dargestellt werden“, beschreibt Peter Clément seinen Literaturgeschmack. Momentan lese er ein Buch zum Ernährungsproblem in der Welt. Das andere große Thema ist der Klimawandel, zu dem mehrere Bücher im Regal stünden. „Aber zwischendurch gibt es einen Krimi zur Unterhaltung“, sagt er.

Abergläubisch sei er nicht, und er besitze er keinen Drang, irgendetwas zu sammeln. Nur sich von Sachen zu trennen, das falle ihm schwer, besonders, wenn Erinnerungen damit verbunden sind. Plötzlich klingelt das Telefon, die ärztliche Pflicht ruft. Peter Clément ist bereit, verabschiedet sich ohne Hektik, und fährt los.

Zur Person
Geboren 1951 in Lüdenscheid, lebt und arbeitet Peter Clément seit 1985 als Arzt in Isny, seit 2003 in der eigenen Praxis mit drei Kollegen. Clément ist verheiratet und hat fünf Kinder im Alter zwischen 16 und 23 Jahren. (mws)

Von Moritz Schildgen, Schwäbische Zeitung 17.3.2011

 

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