Schulen sollen auf dem Land bleiben

Veröffentlicht am 19.03.2010 in Presseecho

(VOGT/gh) Die Zukunft der Schule im ländlichen Raum, vor dem Hintergrund der Einführung der neuen Werkrealschule, ist das Thema einer Informationsveranstaltung gewesen. Dazu hat der SPD-Kreisverband Ravensburg nach Vogt eingeladen. Hier ist das Thema besonders aktuell, da die Genehmigung für eine gemeinsame Werkrealschule für Waldburg und Vogt noch aussteht.

30 Interessierte sind zu der SPD-Veranstaltung ins Vogter „Paradies“ gekommen, darunter auch die Bürgermeister Peter Smigoc und Michael Röger. Die Antwort, auf die alle hofften, nämlich wie es mit der Schule am Ort weitergeht, mussten sowohl der SPD-Kreisvorsitzender Otto Ziegler, als auch der örtliche Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Fritz Erb sowie der SPD-Abgeordnete Norbert Zeller, Vorsitzender des Schulausschusses im Landtag, an diesem Abend schuldig bleiben.

Zeller beleuchtete die Entwicklung der Hauptschule ab 1964, als 72 Prozent eines Jahrgangs die Hauptschule besuchten, die damals ihrem Namen alle Ehre machte, nämlich die Hauptschule zu sein. Das Bild hat sich langsam aber stetig gewandelt, der Trend geht seit langem zu einem mittleren Bildungsabschluss. Kleine einzügige Schulen sind teuer, große kostengünstiger, erklärte Zeller. „Die neue Werkrealschule ist ein gigantisches Einsparpotenial, das inhaltlich und an der Qualität nichts ändert.“ In der neuen Werkrealschule werde wieder aussortiertt.

Nach dem aktuellen Gutachten der GEW sind durch die verlangte Zweizügigkeit der Werkrealschule im Landkreis Ravensburg 22 Schulen gefährdet, sagte Zeller. „Was wir brauchen ist eine Strukturreform der Schule”, postulierte er. Hessen und Niedersachen, zwei CDU-geführte Länder, hätten das schon getan. Nach der Landtagswahl werde es auch in Baden-Württemberg eine Änderung geben, war sich Zeller sicher. Dem stimmte auch der Waldburger Lehrer Ottmar Rupp zu, der als Vertreter des Vereins „Länger gemeinsam lernen“ eine Zukunftsvision entwickelte, in der nicht mehr im Alter von zehn Jahren die Schüler sortiert würden. Nur Deutschland und Österreich hielten noch an diesem System fest, alle anderen Länder machten es anders, so Rupp. Die neue Schule als ein Haus des Lernens von- und miteinander, mit individueller Förderung, wo nicht mehr die soziale Herkunft über den Schulerfolg entscheide.
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Die Akzeptanz der Hauptschule ist gesunken. Doch was tun, wenn nicht genügend Schüler für eine Werkrealschule zusammenkommen? Das wollte eine Mutter aus Schlier wissen. Viele Fragen blieben offen beispielsweise: Ist unsere Schule in Wolfegg schon tot? Verlagert sich das Problem an die beruflichen Schulen? Eine Schule schließen kann nur die Gemeinde, so die tröstliche Botschaft.

Schwäbische Zeitung vom 19.03.2010

 

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