SZ-Porträt unserer SPD-Landtagskandidatin Christel Ulmer

Veröffentlicht am 12.02.2011 in Presseecho

Beharrlich: Christel Ulmer will dicke Bretter bohren
SZ stellt die Landtagskandidaten im Wahlkreis Ravensburg vor – Heute: die SPD-Bewerberin

„Die SPD setzt damit auf ein auch in der Partei neues Gesicht und den inhaltlichen Schwerpunkt Bildung und Erziehung“, so hatten die Sozialdemokraten geschrieben, als sie im Mai 2010 Christel Ulmer zur Kandidatin für die Landtagswahl kürten.

Gerade mal ein halbes Jahr war die 45-Jährige da „Genossin“, so dass ihre Berufung kaum dem „Stallgeruch“ zuzuschreiben ist. Vielmehr steht die Leiterin der Kindertagesstätte Neukirch authentisch für einen Ansatz: „Wir brauchen jetzt ein anderes Bildungssystem“, ist sie überzeugt – als Nährboden für eine gerechtere Gesellschaft.

Donnerstag, 13 Uhr, Pressetermin in der Kindertagesstätte Neukirch. Ulmer ist seit 5.30 Uhr auf den Beinen, seit 7 Uhr hat die Einrichtung mit zwölf Fachkräften und mehr als 100 Kindern in fünf Gruppen geöffnet. Nein, dass ihre Tage derzeit lang sind und sie zu wenig Schlaf kommt, will Ulmer nicht abstreiten. An Energie hat sie aber nichts eingebüßt, schließlich geht es ihr um große Ziele. „Gleiche Lebenschancen für alle“ nennt sie als Hauptanliegen – wofür die Hebel bei Bildung, Erziehung und Familie liegen.

Was Ulmer vermittelt, kommt aus dem Herzen. Überzeugungen und Wissen resultieren aus dem, „was ich alltäglich erlebe“, sagt sie. Und was aus ihrer Vita stammt: Aus der Familienphase ist sie spät in den Beruf der Erzieherin übergewechselt, hat mehr als zehn Jahre in Kindergarteneinrichtungen gearbeitet, ehe sie 2002 den Abschluss als Sozialfachwirtin erwarb. In der Folge leitete sie die kleinere Einrichtung in Gaisbeuren und ist nun seit 2006 in der Verantwortung in Neukirch.

„Das ist mein Weg“, umschreibt es Ulmer – von unten anzufangen, um eine Sache aus jeder Perspektive zu sehen. Und dann aber auch hartnäckig zu sein: „Ich hab früh angefangen, mich mit dem Ganzen auch politisch zu beschäftigen“, bezieht sie sich auf ihre Tätigkeit als Redaktionsbeirat in der Fachzeitschrift „Welt des Kindes“ und auf die Gründung des Kita-Bündnisses Baden- Württemberg (2007), zumal ihr klar war: „Die Situation in den Einrichtungen wird nicht besser.“

Ganz im Gegenteil: Nach vier Jahren Arbeit am Orientierungsplan wurde im Herbst 2010 klar, dass der nicht verbindlich würde. „Wir befinden uns im luftleeren Raum“, sieht es Ulmer. Was nicht neu ist: Seit 30 Jahren sei die personelle Besetzung der Kindergärten kritisch – dem geschuldet, dass diese stets den Vorgaben (wie dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab 2013) hinterherhinke. Neben die Kritik stellt Ulmer aber auch konkrete Vorschläge: kleinere Gruppen, Aufstockung des Personals, stufenweise Umsetzung des Orientierungsplans. Zur Gegenfinanzierung sollten der gegenwärtige „Projektismus“ gestrichen und spätere Folgekosten einberechnet werden, denn: „Jedes vierte Kind in der Klasse vier braucht Nachhilfeunterricht.“

23 000 Unterschriften für ein gerechteres System wollte das Kita-Bündnis 2008 übergeben, doch fand sich in der Landesregierung kein Abnehmer. Schließlich erhielt sie der Schulausschuss, nachdem Ulmer zuvor Kontakt zu allen Fraktionen hatte. Jener zur SPD blieb erhalten, findet die 45-Jährige doch: „Es gefällt mir, dass inhaltlich sehr viel und auf breiter Basis diskutiert wird.“ Ein basisdemokratisches Element, das sie auch für eine Landtagsabgeordnete, einen Abgeordneten für unabdingbar hält: „Ich habe kein Problem damit, die Menschen zu beteiligen – es ist schließlich nicht allein mein Land.“

Was dieses Baden-Württemberg – bei allem hohen Standard – braucht, ist für Ulmer klar: einen gerechteren Blick auf und für den Menschen, das Kind, den Jugendlichen, die nicht nur unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen seien. In Anbetracht dessen, „dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht“, ist es ihr wichtig, dass möglichst viele Menschen an der Gesellschaft teilhaben. Wofür es ein weniger selektives Bildungssystem brauche, das die Individualität und nicht die Defizite des Einzelnen in den Blick nehme.

Steckbrief
Name: Christel Ulmer
Alter: 45
Beruf: Sozialfachwirtin, leitet eine Kindertagesstätte im Bodenseekreis
Wohnort: Ravensburg, Südstadt
Familienstand: geschieden, zwei Kinder, ein Enkel
Parteimitglied: seit Dezember 2009
Funktionen: Vorstand im Kita-Bündnis Baden-Württemberg
Politische Schwerpunkte: Bildung, Erziehung, Familie
Hobbys: wandern, lesen, malen
E-Mail-/Web-Adresse: christel-u@web.de www.christelulmer.de

aus der Schwäbischen Zeitung vom 12.2.2011

 

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