Wangen

Wangen im Allgäu ist eine Stadt im Südosten Baden-Württembergs. In der völkerkundlichen Region des Allgäus wird sie dem Westallgäu zugerechnet. Sie ist nach Ravensburg die zweitgrößte Stadt des Landkreises Ravensburg und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Wangen gilt als Brunnenstadt und ist regional bekannt für seinen Bauernmarkt, auf dem noch immer Kleintiere aus der Umgebung gehandelt werden.

Die Besiedlung Wangens geht vermutlich auf eine alemannische oder fränkische Siedlung aus der Zeit nach der Unterwerfung der Alemannen durch Frankenkönig Chlodwig (um 496) zurück. Der Ort wird erstmals in einer Urkunde des Klosters St. Gallen im Jahr 815 als Wangun erwähnt.

Der freie Alemanne Hadubert schenkte damals dem fränkischen Reichskloster ein Bauerngut und einen Wald. Im 10. Jahrhundert wurden die hiesigen Besitztümer des Klosters durch Schenkungen, Kauf und Tausch stark erweitert und in Wangen entstand bis zum 12. Jahrhundert im Niederdorf ein Kellhof zur Verwaltung der Liegenschaften.

Außerdem wurde durch den Abt von St. Gallen außerhalb des Niederdorfs ein Markt errichtet, um den freie Kaufleute und Handwerker angesiedelt wurden und der den Mittelpunkt der späteren Oberstadt bildete, die bis zum 13. Jahrhundert mit Toren verschlossen und mit Mauer oder Wall und Graben umgeben wurde.

Die weltliche Schutzvogtei über den Klosterort lag im Hochmittelalter bei den Hohenstaufen. Kaiser Friedrich II. bestimmte in einer Urkunde 1217, dass die Schutzherrschaft von Wangen für immer in königlicher Hand bleiben sollte.

Wangen hatte zu dieser Zeit offenbar bereits Stadtrechte. Nach der Hinrichtung des letzten Hohenstaufen Konradin, in der sogenannten „kaiserlosen Zeit“ (Interregnum), gelang es der Stadt, gegenüber der St. Gallener Klosterherrschaft ihre Unabhängigkeit zu behaupten und systematisch auszubauen.

König Rudolf I. von Habsburg besiegelte schließlich den Status als Freie Reichsstadt im Jahr 1286. Das Symbol des Adlers für das staufische Kaisertum und das Symbol der Lilie für das fränkische Kaisertum verdeutlichen im Wappen der Stadt auch heute noch diesen Status.

In Wangen treffen sich die Straßen von Ravensburg, Lindau, Leutkirch und Isny. Der sich entwickelnde Fernhandel über die Alpen – anfangs durch die Große Ravensburger Handelsgesellschaft, später durch Welser und Fugger – förderte im Spätmittelalter die Entwicklung der Stadt.

Um 1400 war innerhalb der bestehenden Grenzen keine bauliche Entwicklung mehr möglich. Daher ummauerte man die zwischen Stadtmauer und Argen gelegene und als Baind bezeichnete landwirtschaftlich genutzte Sonderflur als Unterstadt.

Innerhalb der Reichsstadt gewannen bereits im 14. Jahrhundert die Zünfte großen Einfluss. Die Herstellung und der Export vor allem von Sensen und Leinwand sorgten für eine ansehnliche Außenhandelsbilanz. Die Stadt erwarb während ihrer Blütezeit ein beachtliches Landgebiet außerhalb der Stadtmauern, das ihr dauerhafte und nachhaltige Einnahmen unabhängig von den Schwankungen des Handels sicherte.

Wangen schloss sich 1349 dem Schwäbischen Städtebund an, 1362 außerdem dem Bund der Seestädte („Seebund“), der auch nach Auflösung des Städtebunds 1379 Bestand hatte und im Juli 1389 Truchsess Hans von Waldburg gefangennahm, nachdem dieser vergeblich versucht hatte, die Stadt einzunehmen.

Zur Erinnerung an den Überfall und zum Dank für die Errettung aus der Gefahr wurde bis 1803 jährlich am 1. Januar eine Prozession um die Stadt abgehalten. Im 15. Jahrhundert war Wangen mit dem „Seebund“ in eine Reihe von weiteren Kriegen und Fehden verwickelt, u. a. den „Appenzeller Krieg“ (1401–04) und die Städtekämpfe gegen Herzog Friedrich von Österreich (1415) und Graf Ulrich von Württemberg (1449).

1470 wurde der „Seebund“ erneuert, doch bereits 1477 stellte sich Wangen per Vertrag unter den Schirm der Stadt St. Gallen. Unter Androhung der Reichsacht durch Kaiser Friedrich III. musste Wangen das Bündnis mit St. Gallen jedoch schon 1488 aufkündigen und sich dem bis 1534 bestehenden Schwäbischen Bund anschließen.

1552 wurden durch Kaiser Karl V. die Zünfte aufgelöst und der Stadt eine neue Rats- und Gerichtsverfassung gegeben, die dem Patriziat der Stadt alle Macht gab.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Wangen ab 1622 unter Truppendurchzügen und Einquartierungen zu leiden, ab 1628 herrschte außerdem die Pest. Nach 1631 erfolgten mehrere schwedische Überfälle, derenwegen sich ein Großteil der Einwohner mehrfach vorübergehend nach Bregenz flüchtete.
Nachdem die Schweden 1634 aus der Gegend abzogen, war 1635 und 1636 abermals die Pest Ursache für viele Tote. 1646 und 1647 kam es abermals zu Kampfhandlungen und Plünderungen in Wangen.

Im Rahmen der Mediatisierung verlor Wangen 1802 den Status einer Reichsstadt und wurde Teil des Königreichs Bayern, im Rahmen eines Gebietstausches 1810 Oberamtsstadt des Königreichs Württemberg.

1936 wurde der Stadtname amtlich mit „Wangen im Allgäu“ festgelegt.

Von 1938 bis zu dessen Auflösung und Eingliederung in den Landkreis Ravensburg am 1. Januar 1973 war Wangen Kreisstadt des Landkreises Wangen (KFZ-Kennzeichen WG).
Am 1. Januar 1973 wurde Wangen von der Landesregierung Baden-Württemberg zu Großen Kreisstadt erhoben, nachdem die Einwohnerzahl zuvor die Grenze von 20.000 überschritten hatte.

Im Jahr 1999 kam das erste Hochwasser seit knapp über 50 Jahren wieder nach Wangen und überflutete die komplette Unterstadt. Auch 2005 wurde Wangen wieder Opfer einer Überflutung durch die Obere Argen.

 

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Leni Breymaier
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